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Andritz: Großer Gewinn und schwache Ausreden

Jetzt hat die in Graz ansässige Firma Andritz ihren Gewinn im ersten Halbjahr 2010 um 78,5% auf über 92 Mio Euro gesteigert – v.a. weil die Firma skrupellos genug ist und sich im Gegensatz zu anderen europäischen Firmen weiterhin am türkischen Skandalprojekt Ilisu beteiligt. Außerdem steht mit dem brasilianischen Belo Monte Staudammprojekt im Urwald Amazoniens schon das nächste Skandalprojekt vor Andritz´s Tür. Und Skrupellosigkeit zahlt sich aus, weil die tatsächlichen Folgen für Natur und Menschen nicht berechnet werden.

Das verwundert natürlich nicht. Was mich aber gestern bei der Pressekonferenz von Andritz-Chef Wolfgang Leitner überrascht hat, war, wie platt er das Engagement bei Ilisu rechtfertigte: die Türkei habe versprochen, die internationalen Standards einzuhalten. Jetzt aber wirklich. Das ist lächerlich und entweder naiv oder eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit. Vermutlich ist es einfach nur Firmen Marketing ohne jeden Inhalt.

Fakt ist, dass die Türkei keinerlei Standards einhält, wie sie die Europäer gefordert hatten: Menschen werden nach wie vor vertrieben, es gibt keinerlei Umweltstudien und Hasankeyf soll im Stausee wie eh und je geplant, untergehen. Was daran, Herr Leitner, ist da neu? Und wo sind eigentlich die Grenzen Ihrer Firma, ab wann nehmen Sie ein Angebot nicht an? Rhetorische Fragen, denn wer sich an Ilisu beteiligt, macht für Geld alles. Und noch zahlt es sich ganz offensichtlich aus.

Noch, denn auch wenn es im Moment so aussieht, als ob der Staudammtsunami über die Natur und Menschen hinwegschwappt, noch sind die Projekte nicht gebaut, der Widerstand geht weiter. In Ilisu und am Amazonas schließen sich Künstler und Anwohner, NGOs und Kirchenleute zu einer Protestbewegung zusammen, die noch zu einem Albtraum für Andritz und Co werden kann. Die Auseinandersetzungen werden noch viele Jahre dauern und so lange kommt Andritz nicht aus den negativen Schlagzeilen.

Außerdem erscheinen immer mehr internationale Studien, die die generellen Folgen der Wasserkraft ins negative Licht rücken. Erst kürzlich errechnete eine amerikanische Expertise, dass die bisherigen Megadämme etwa 500 Millionen Menschen ins Verderben geschickt haben. Bisher war die Weltbank von etwa 80 Millionen Menschen ausgegangen.Mit Projekten wie Ilisu und Belo Monte ist die Wasserkraft auf dem besten Weg, ihr grünes Image zu verlieren. Die Stimmung ändert sich gerade.

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Vom Bösen und Guten

Die Türkei hat also die Verträge wegen Ilisu unter Dach und Fach und Andritz verkündet stolz, dass sie 340 Millionen Euro an dem Projekt verdienen. Wie nicht anders zu erwarten, reagierte die Wirtschafts- und Finanzwelt mit Jubelrufen und Huldigungen. Klar gibt es ein paar Nachteile (zigtausende Vertriebene, Kulturgenozid, etc.), so der Tenor, aber – hey – die gibt es doch immer und es geht um 340 Millionen.

Ähnlich war es vor wenigen Monaten. Anfang Februar hieß es in der Presse: „Die Genehmigung des Belo Monte Projekts ist positiv. Es bestätigt unsere Annahme eines dynamischen Marktumfelds im Bereich Hydropower“, so die Analysten der Berenberg Bank. Was da so bejubelt wird, ist die Genehmigung eines Staudammprojektes am Xingu, einem Zufluss des Amazonas im brasilianischen Regenwald. Anleger reiben sich die Hände, allen voran die Aktionäre der Andritz AG. Der Wert ihrer Aktie stieg um mehr als 6 Prozent, weil erwartet wurde, dass sich die österreichische Firma an diesem Projekt beteiligt. Das waren über 132 Millionen Euro, die die Anleger theoretisch verdient haben. An einem Tag! Der Preis, der nicht in der Bilanz aufscheint: hunderte Tier- und Pflanzenarten würden für immer vom Planeten verschwinden, darunter allein 100 Fischarten, 20.000 Menschen würden ihre Heimat verlieren.

Wenn Sie mich fragen, zeigen diese Reaktionen einmal mehr, dass die Wirtschaft, Politik und die Finanzwelt nichts gelernt hat. Von wegen gestiegenes Bewusstsein, Nachhaltigkeit und „CSR“. Das Gegenteil ist wahr: sie werden immer gieriger und rücksichtsloser. Sie stehen schließlich nicht nur im Wettbewerb mit anderen Unternehmen, sondern auch mit dem härtesten Gegner überhaupt: der Gewissheit, dass nicht mehr viel von der Natur übrig ist und wer noch die letzten Reste davon ausbeuten will, muss Ellebogen zeigen und selbst dann weitermachen, wenn alle Vernunft dagegen spricht.

Die Klimafalle

Aber es wäre zu einfach, alles auf die „bösen Heuschrecken“ zu schieben. Eine Mitschuld an der Situation tragen wir selbst, die NGOs. Denn seit der Klimawandel das alles beherrschende Thema ist, kümmert sich kaum noch jemand um die Wasserkraft und deren Folgen. Nicht nur bei den prominentesten Projekten Ilisu und Belo Monte ist keine große Umwelt-NGO an vorderster Front dabei, sondern bei keinem Wasserkraftwerk weltweit! Gleiches gilt für die Atomkraft und die Biospritlobby. Sie sind die wahren Klimagewinner. Firmen, Staaten und Banken haben die einmalige Gelegenheit, im Namen des Klimaschutzes in kurzer Zeit enorm viel zu zerstören und zu verdienen, ohne mit Widerstand rechnen zu müssen. Das nennt man „window of opportunity“. Und die großen NGOs machen mit. Sie verhalten sich wie ein Hamster im Rad, der rennt und rennt, dabei aber keine Meter macht und nur das Rad am Laufen hält.

Es ist zu befürchten, dass im Namen des Klimaschutzes weit mehr Natur zerstört wird, als durch den Klimawandel selbst. Allein am Amazonas dürften etwa 1.000 Fischarten aussterben, wenn die brasilianische Regierung ihren Plan umsetzt und hier 79 Megadämme baut. Das sind 10 Prozent aller bekannten Süßwasserfischarten der Erde! Dem Klimaschutz geopfert. Und auch bei den Menschen sieht’s nicht viel besser aus: 80 Millionen wurden bisher durch Megadämme vertrieben. Tendenz steigend. Und WWF & Co? Schweigen!

Bevor wir also von der Wirtschaft und der Politik Einsicht verlangen, sollten wir uns an die eigene Nase fassen und unsere Standpunkte überdenken. Eine  (Umwelt-)Zivilgesellschaft, die sich in ihren Positionen kaum noch von denen der herrschenden Schichten unterscheidet,  ist sinnlos. Wir müssen Unterschiede aufzeigen und Konflikte annehmen. Dazu eignen sich besonders Projekte wie Ilisu und Belo Monte. Sie haben das Potential zur Veränderung. An ihnen kann man festmachen, was falsch rennt, kann Emotionen wecken, wachrütteln. Denken Sie an Hainburg 1984, Nagymaros (Ungarn) 1989, Loire 1992 usw. Das waren Konflikte, deren Bedeutung und Folgen weit über die jeweilige Region und Zeit hinaus gewirkt haben.

Die Chancen sind da, man muss sich nur trauen.

Vom Bösen und Guten

Die Türkei hat also die Verträge wegen Ilisu unter Dach und Fach und Andritz verkündet stolz, dass sie 340 Millionen Euro an dem Projekt verdienen. Wie nicht anders zu erwarten, reagierten die Wirtschafts- und Finanzwelt mit Jubelrufen und Huldigungen. Klar gibt es ein paar Nachteile (zigtausende Vertriebene, Kulturgenozid, etc.), so der Tenor, aber – hey – die gibt es doch immer und es geht um 340 Millionen.

Ähnlich war es vor wenigen Monaten. Anfang Februar hieß es in der Presse: „Die Genehmigung des Belo Monte Projekts ist positiv. Es bestätigt unsere Annahme eines dynamischen Marktumfelds im Bereich Hydropower“, so die Analysten der Berenberg Bank. Was da so bejubelt wird, ist die Genehmigung eines Staudammprojektes am Xingu, einem Zufluss des Amazonas im brasilianischen Regenwald. Anleger reiben sich die Hände, allen voran die Aktionäre der Andritz AG. Der Wert ihrer Aktie stieg um mehr als 6 Prozent, weil erwartet wurde, dass sich die österreichische Firma an diesem Projekt beteiligt. Das waren über 132 Millionen Euro, die die Anleger theoretisch verdient haben. An einem Tag! Der Preis, der nicht in der Bilanz aufscheint: hunderte Tier- und Pflanzenarten würden für immer vom Planeten verschwinden, darunter allein 100 Fischarten, 20.000 Menschen würden ihre Heimat verlieren.

Wenn Sie mich fragen, zeigen diese Reaktionen einmal mehr, dass die Wirtschaft, Politik und die Finanzwelt nichts gelernt hat. Von wegen gestiegenes Bewusstsein, Nachhaltigkeit und „CSR“. Das Gegenteil ist wahr, sie werden immer gieriger und rücksichtsloser. Sie stehen schließlich nicht nur im Wettbewerb mit anderen Unternehmen, sondern auch mit dem härtesten Gegner überhaupt: der Gewissheit, dass nicht mehr viel von der Natur übrig ist und wer noch die letzten Reste davon ausbeuten will, muss Ellebogen zeigen und selbst dann weitermachen, wenn alle Vernunft dagegen spricht.

Die Klimafalle

Aber es wäre zu einfach, alles auf die „bösen Heuschrecken“ zu schieben. Eine Mitschuld an der Situation tragen wir selbst, die NGOs. Denn seit der Klimawandel das alles beherrschende Thema ist, kümmert sich kaum noch jemand um die Wasserkraft und deren Folgen. Nicht nur bei den prominentesten Projekten Ilisu und Belo Monte ist keine große Umwelt-NGOs an vorderster Front dabei, sondern bei keinem Wasserkraftwerk weltweit! Gleiches gilt für die Atomkraft und die Biospritlobby. Sie sind die wahren Klimagewinner. Firmen, Staaten und Banken haben die einmalige Gelegenheit, im Namen des Klimaschutzes in kurzer Zeit enorm viel zu zerstören und zu verdienen, ohne mit Widerstand rechnen zu müssen. Das nennt man „window of opportunity“. Und die großen NGOs machen mit. Sie verhalten sich wie ein Hamster im Rad, der rennt und rennt, dabei aber keine Meter macht und nur das Rad am Laufen hält.

Es ist zu befürchten, dass im Namen des Klimaschutzes weit mehr Natur zerstört wird, als durch den Klimawandel selbst. Allein am Amazonas dürften etwa 1.000 Fischarten aussterben, wenn die brasilianische Regierung ihren Plan umsetzt und hier 79 Megadämme baut. Das sind 10 Prozent aller bekannten Süßwasserfischarten der Erde! Dem Klimaschutz geopfert. Und auch bei den Menschen sieht´s nicht viel besser aus: 80 Millionen wurden bisher durch Megadämme vertrieben. Tendenz steigend. Und WWF & Co? Schweigen!

Bevor wir also von der Wirtschaft und der Politik Einsicht verlangen, sollten wir uns an die eigene Nase fassen und unsere Standpunkte überdenken. Eine  (Umwelt-)Zivilgesellschaft, die sich in ihren Positionen kaum noch von denen der herrschenden Schichten unterscheidet,  ist sinnlos. Wir müssen Unterschiede aufzeigen und Konflikte annehmen. Dazu eignen sich besonders Projekte wie Ilisu und Belo Monte. Sie haben das Potential zur Veränderung. An ihnen kann man festmachen, was falsch rennt, kann Emotionen wecken, wachrütteln. Denken Sie an Hainburg 1984, Nagymaros (Ungarn) 1989, Loire 1992 usw. Das waren Konflikte, deren Bedeutung und Folgen weit über die jeweilige Region und Zeit hinaus wirkten.

Die Chancen sind da, man muss sich nur trauen.